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Kurzweiliges Bauerngespräch
über
den Brautsuppenstreit
zwischen
Kurt Schlabberbart
und
Hans Rümenapf
aus
Groß Solschen
als
ihres Pastors Tochter Jungfer
Anna Maria Hochzeit war
am 11. September 1666
Kurt Schlabberbart
Guten Morgen, Nachbar Hans, was soll ich Gutes sagen?
Ihr pflegt wohl zur Not einen Pfennig beizulegen,
den man so brauchen kann, wenn man zur Hochzeit geht,
auch sonst bei einem guten Freund bei Zeiten Pate steht.
Wenn Ihr nun einen habt, so überlasst ihn mir doch.
Ich will Euch dafür verehren einen hübschen schwarzen Täuber
für Euer Aleken, der ist von guter Zucht
und bringt fast jeden Monat zusammen seine Frucht.
Hans Rümenapf
Gott dank Euch, Nachbar Kurt, seid doch derweil willkommen
und setzet Euch dahin. Ich hab es wohl vernommen,
was Euer Begehren ist, und wollte es auch wohl tun,
wenn nicht die Taler längst den Hasen untern Schwanz geschoben
hätte
des Brandenburgers Volk, das hier so durchgezogen
und manchen Bauersmann aufs äußerste ausgesogen.
Das ist hiermit gemeint: Die haben die Taler weg,
die ich sonst wohl zur Not einem guten Freunde aufhob'.
Kurt Schlabberbart
Oh! Oh! Wo will ich denn einen heilen Taler kriegen?
Den Juden gehören so viel, die wechseln sie bei Stiegen
ja wohl zu tausenden ein, darum findet man auch nicht mehr
bei einem Bauersmann die Taler mit dem Pferd.
Die kommen alle weg. Dazu auch die Goldgulden,
die haben sich ganz verloren, die müssen alle füllen,
der Reichen ihre Beutel, die stapeln sie in Schicht',
daß mancher Kreuzschmerzen davon zum Lohne kriegt.
Hans Rümenapf
Sagt mir doch, Nachbar Kurt, wozu wollt Ihr den brauchen
den Taler mit dem Pferd? Ich kann es ja nicht riechen,
was Eure Absicht ist. So will ich noch einmal
Euch helfen aus der Not und von der harten Qual.
Doch gleich mit der Bedingung, dass Ihr wiederbringt
einen solchen blanken Gast, der so lustig klingt.
Das ist der Letzte nun, den hab ich so gehegt,
wie manche arme Frau ein Ei zu hegen pflegt.
Kurt Schlabberbart
Mein lieber Nachbar Hans, das könnt Ihr leicht denken,
wozu der Taler (dienen) soll, wenn ich Euch man einen Wink
nach unserer Pfarre geb', da soll der Taler hin.
Das wird ja Brauthaus sein. Seid Ihr nicht gebeten?
Hört' ich doch gestern noch im Gasthaus von dem Küster,
und dass noch mehr zu trauen auch von dem Lehrer,
sie wollen das ganze Dorf einladen überall
zu dieser Fröhlichkeit zu diesem Hochzeitsmahl.
Hans Rümenapf
Ihr hörtet wohl, was ich sagte. Ich bin nicht gebeten
mit meinem Hausgesinde. Doch aber wohl zufrieden,
dass ich verschonet bin. Das Geld wird doch wohl nützen.
Der Mustopf kostet viel. Dazu sind teuer die Grützen.
Und wenn das gleich nicht wäre, so trüg' ich doch Bedenken
zum Brauthaus mitzugehn. Es würd' Euch auch wohl kränken,
wenn Ihr hinginget. Da ist kein Zweifel dran,
sollt's sonst diesmal auch nach der neuen Ordnung gehn.
Kurt Schlabberbart
Ho! Ho! Hans Rümenapf, ich habs schon in der Nase,
was Eure Bedenken sind und was das Ding gewesen ist,
das Euch zurückhält, zum Brauthaus mitzugehn.
Was gilt's? Ich will es gleich zum erstenmal erraten!
Dies ist's, was Ihr bedenkt: Die Brautsuppe ist verboten
von allen Kanzeln herab. Das wird noch manchen ärgern,
der sonst des Morgens früh sobald die Kuhherde trieb
eine gehäufte Schüssel voll in seine ?......? ?....?.
Hans Rümenapf
Ja! Ja! Kurt Schlabberbart, Ihr habt es recht getroffen.
was meine Meinung ist. Und noch nicht viel gesoffen,
das hör' ich da wohl raus. Die Brautsuppe ist nun fort.
Ihr kriegt sie hier auch nicht. Ich sage Euch ein Wort.
Drum frag ich nichts danach, dass man mich hat verschont.
Das wollt mir seltsam sein und viel zu ungewohnt,
wenn ich des Morgens sollt die Suppe nicht verzehrn,
die ich sonst all meine Tage hab gegessen liebend gern.
Kurt Schlabberbart
Meint Ihr, Hans Rümenapf, dass ich das nicht betracht'?
Ich denke freilich dran bei Tag und auch bei Nacht,
was das für Quälerei wird geben in dem Bauch,
wenn er die Suppe nicht nach seinem alten Brauch
kann zu sich nehmen. Oh! Wie wird der Bruder knurren
und über diesen Punkt der neuen Ordnung murren.
Mich dünkt, ich fühl es reinst, was mein Gedärm
vor großer Hungerspein wird treiben für 'nen Lärm.
Hans Rümenapf
Recht, das denk ich auch. Drum bleib ich lieber daheim
vor solcher Magenpein. Mir ist dabei ganz schnurz,
dass sie mich verschmäht haben. Ich will doch gleichwohl
ihnen alles Gute wünschen nach Christi Lehre.
Mein Gretchen soll mir auch den besten Schinken kochen,
sobald die Küche man zur Hochzeit anfängt zu riechen.
Davon will ich derzeit mir was zu gute tun,
auch noch am Tag verzehrn ein junges Huhn.
Kurt Schlabberbart
Das segne der liebe Gott! Wenn Ihr Euch man bezähmt
und über diese Sache nicht allzu stark mehr grämt,
dass Ihr seid nicht gebeten zu dieser Hochzeitslust.
Was mag die Ursach' sein, das ist mir unbewusst.
Drum tröstet Euch man mit Hühnern und mit Schinken,
könnt auch am Tag wohl dazu ein Gläschen trinken,
das sonst die Sorgen pflegt vom Herzen wegzubringen
und macht, dass man kann "Runda dinella" singen.
Hans Rümenapf
Ich hatt' auch so gedacht, der Gastwirt mag wohl borgen.
Bei dem will ich die Zeit versetzen und meine Sorgen
und singen: "Henneke Knecht". Das soll mir besser sein,
als wenn Ihr fühlet dort die große Suppenpein.
Hiermit hör ich nun auf. Und wünsche dies von Herzen
dem Bräutigam und der Braut, dass sie gemeinsam teilen
Glück und Unglück, so gleich sie immer können.
solange sie auf dieser Erde sind.
Kurt Schlabberbart
Recht so, Hans Rümenapf, das will ich morgen rühmen
bei unserm Herrn Pastor, doch aber Euch nicht nennen.
Der Wunsch ist recht und gut. Gott geb' er werde wahr!
Dazu einen jungen Sohn im Ehestand übers Jahr!
Was soll ihnen Liebe sein dazu von beiden Seiten.
Den Alten ja sowohl, die wünschen das von Herzen
und bitten Tag und Nacht, da ist kein Zweifel dran,
dass sie doch übers Jahr ihnen möchten Gevatter stehn.
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